Die Idee einer Streitkultur

01.08.2011 13:15 von Christian Roppelt

„Streit ist aller Dinge Vater“, sagte mal der Philosoph Heraklit. Streiten bedeutet in der Regel die rednerische Auseinandersetzung zweier Parteien (Pro und Contra) zur Klärung einer strittigen Frage.
Nicht nur die aktuellsten politischen und gesellschaftlichen Auseinandersetzungen zeigen: in einer demokratischen Gesellschaft bedarf es einer Kultur des Streitens, welche die sachdienlichen und produktiven Kräfte einer rednerischen Auseinandersetzung zu nutzen weiß. Ein vernünftige Streitkultur misst sich nicht ausschließlich an der rhetorischen Überzeugungskraft der Streitenden, sondern an vernünftigen Regeln, die es zu befolgen gilt: Zum einen muss der Gegenpartei zugestanden werden, eine andere Meinung zu haben und zum anderen muss gewährleistet sein, diese auch mittels einer rhetorischen Argumentation zu vertreten.

Eine parlamentarische Demokratie lebt von dem politischen Streit, von gegensätzlichen Interessen und der Suche nach einem Ausgleich zwischen diesen Interessen. In einem autokratischen System wird der Streit in der Regel als Schwächung der Gemeinschaft bzw. als Abweichung von akzeptierten und stabilisierenden Normen gewertet.Die Förderung einer vernünftigen Streitkultur bedeutet im Grunde auch eine Förderung der demokratischen Gesellschaft.

Wie kann nun eine vernünftige Streitkultur gefördert werden? Angefangen von dem Vorleben einer vernünftigen Streitkultur in den politischen Debatten bis hin zur aktiven Förderung in den Schulen: Richtiges Streiten kann erlernet werden. Formate der Kurzdebatte oder der Offenen Parlamentarischen Debatte einiger Debattierclubs in Deutschland sind geeignete Plattformen und bieten Regelwerke, um die Kunst des Debattierens zu erlernen.

Auf unsere Zielgruppen angepasste Debattierformate dienen in unseren Argumentationsseminaren als Übungsform, das Argumentieren und somit das Streiten zu erlernen. Überzeugende Argumentation kann nicht auf dem Papier trainiert werden, erst das Mit- bzw. Gegeneinander in einer Übungsdebatte eröffnet die Möglichkeit, die eigene Überzeugungskraft auf die Probe zu stellen und somit zu optimieren.

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